LIVING NATURAL


Samstag

Zufriedenheit macht sich breit, unendliche Dankbarkeit und viel Energie für Neues, für Kommendes.

Dienstag

















ZAZ ist ein kleines französisches Musikwunder. Sie hat als Strassenkünstlerin angefangen und spielt jetzt in den grössten Pariser Konzerthallen. Die leichtfüssige Strassenmusik hat sie nie aufgegeben.



"Oh qu'elle est belle notre chance
Aux milles couleurs de l'être humain
Mélangées de nos différences
A la croisée des destins"

Donnerstag

Ich habe ein Zuhause gefunden. Du machst es zu einem Zuhause. Hier will ich bleiben, hier ist alles, was ich brauche.

Montag

Und wieder sitze ich im sechsten Stock einer Pariser Uni, mein Blick schaut leer auf La Défense und ich spüre die Tränen auf meinen Wangen. Wieder und wieder.
Ich sitze im sechsten Stock einer Pariser Uni, mein Blick schaut leer auf La Défense, ich höre "I de Schwiiz" von Skor und spüre die Tränen auf meinen Wangen.
Das isch de Winter fürd Schwiiz.


"Can you imagine?! No woman president?! They were all boys!"
Madam President

Dear Malala


You inspire me so much that I cannot but share my thoughts with you. I had tears in my eyes when I watched your speach at the UN because I am so happy that you do all this. Have you noticed that you’re the complete opposite of the persons who usually stand there? You are young, you’re a girl and you’re muslim. I love that you’re so different. It’s very important, that there are all kind of people being treated in the same way and you make it happen.

I read your book and I loved it. I feel close to you. I am born in Switzerland and I love my home and I am very grateful that I was that lucky to be born in such a well-going place on earth. But my heart still wishes for a better world and I keep fighting for it as an activist. I fight for women rights, I fight for women to be free from the social expectations and to stand up for themselves. I fight for our nature, as it must be protected and not destroyed. I fight for peace because it is the only way to live together.
I have the same fire in my heart as you have. You had the opportunity to speak at the UN and you used it to speak in the name of all activists and for all activists. I thank you very much for this.

I love the thought that the Taliban wanted to kill you but made you and your struggle for education and women rights even bigger. That’s a huge success.

Malala, please continue as long as you’re able to to fight for your ideals. I will and together we can change the world.

With all the best wishes,
Irina

Identität formen

Vor einigen Jahren beschloss ich, keine Tiere mehr zu essen. Ich war inspiriert von einer Freundin, die konsequent war und das Ding durchzog. Ich wollte es ihr gleich tun, für mein Selbstbild und für die Umwelt.
Im Laufe der Zeit ist Vegetarismus zu einem wichtigen Teil meiner Identität geworden. Viele Gründe gegen Fleisch sind seither dazu gekommen und ich bin stolz darauf, Vegetarierin zu sein.

Etwas nach diesem Beschluss schnitt ich meine Haare zu einer Kurzhaarfrisur. Anders als beim Thema Vegi überlegte ich mir nicht viel. Ich war nie zufrieden mit meinen Haaren und Kurzhaarschnitte gefielen mir, that's it.
Im Laufe der Zeit merkte ich, dass es nicht so simpel ist. Als Frau kurze Haare zu tragen ist ein politisches Statement. Auch die Kurzhaarfrisur ist zu einem wichtigen Teil meiner Identität geworden und ich bin stolz darauf.

Vielleicht liegt es an meinem Alter, vielleicht waren andere Sachen genauso wichtig. Jedenfalls waren beides kleine Dinge, die ich einfach begonnen und getan hatte, ohne mir Gedanken über die Folgen zu machen. Heute sind es fundamentale Teile meiner Identität.

Freitag

Ajouter deux lettres à Paris: C'est le paradis. (Jules Renard)

Paris ist sanft.
Die Fassaden sind beige, die Dächer sind blaugrau und ziehen sich bis unter den obersten Stock. Der Himmel ist oft hellblau, ganz weich und wenn die Sonne scheint, dann ist sie vorsichtig, ein bisschen warm und gutmütig. Das Leben in Seitenstrassen und Gassen ist ruhig und leise. Manchmal findet sich ein kleiner Park zwischen ein paar Häusern, wo Menschen auf den Bänken sitzen und ein Kind am spielen ist. Man hört die Vögel zwitschern, obwohl es noch Winter ist.

Paris ist grob.
Die Metrostationen sind laut. Manche Linien fahren mit Pneus, die sind besonders laut, man versteht sein Gegenüber nicht mehr. Die RER sind pure Massenabfertigung. Die Bahnhöfe sind schmutzig und kalt, zur Stosszeit kann man sich im Zug nicht bewegen. In der Metro oder draussen, es hat viele Gloschare. In meiner Strasse sitzt ein Mann auf einer Bank, eingewickelt in Schlafsäcke, und er starrt immer in dieselbe Richtung. Ich habe ihn noch nie in einer anderen Haltung gesehen, drei Wochen lang nicht. In der Nacht sind die Strassen hart und der Verkehr scheint noch lauter, als er sonst schon ist.

Paris ist riesig.
Eine halbe Stunde Metro fahren? Das ist völlig normal. Überall, wirklich überall hat es Menschen und laute Strassen und grosse Häuser. Es scheint nie aufzuhören. Es gibt überall etwas zu entdecken. Die Auswahl ist so gross, dass ich fürchte, selbst nach vielen Monaten nur einen Bruchteil gesehen zu haben.

Paris ist spannend.
Ich dachte, ich kannte Paris und die Eigenheit dieser Stadt, bis ich nach Faubourg - Saint-Germain kam. Diese Stadt hat unzählige Gesichter, sie scheint sich ständig zu wandeln. Es wird einem hier nicht langweilig und ich will alles, alles, alles sehen, kennen lernen, riechen und aufsaugen.

Paris ist schwierig.
Eine Vorlesung auf Französisch, in der der Dozent 75 Minuten redet, ohne Powerpoint-Folien? Das Bussystem verstehen und seinen Nachtbus finden? Angebettelt werden und nicht ignorant wirken zu wollen? Ein Französisches Bankkonto eröffnen wollen? Paris bringt mich an meine Grenzen.

Paris hat mein Herz.

Donnerstag

Manchmal kann ich gar nicht fassen, wie gut es mir geht, was für ein Glück ich habe. Ich bin endlos dankbar für alles, was ich erleben darf.

Samstag

Ein riesiges Abenteuer wartet und alles, was ich habe, ist Angst. Angst, dass es wieder so wird wie beim letzten Mal.

Donnerstag

#2013

Vorherrschendes Gefühl für 2014?
Abenteuerlust

2013 zum ersten Mal getan?
Ausprobiert, vegan zu leben

2013 wieder getan?
Studiert
2013 leider gar nicht getan?
Ausgezogen

Wort des Jahres?
"Alles fliesst"

Zugenommen oder abgenommen?
Whatever

Stadt des Jahres?
London

Alkoholexzesse?
Nein
 
Haare länger oder kürzer?
Immer gleich kurz

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Etwas weitsichtiger, auch wenn die Sicht manchmal trüb ist

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger

Höchste Handyrechnung?
Whatever

Verliebt?
Immer noch Liebe

Getränk des Jahres?
Wasser aus immer derselben Glasflasche, weil es das beste ist, was man sich tun kann

Essen des Jahres?
Selbstgemachte Maissuppe

Am häufigsten angerufen?
Ihn

Die schönste Zeit verbracht mit?
Ihm

Die meiste Zeit verbracht mit?
Nicht mit ihm

Song des Jahres?
"Weisch du no" von Knackeboul und Polo Hofer

Alben des Jahres?
Of Monsters And Men - My Head Is An Animal
Stromae - Racine Carrée
Parov Stelar - The Princess

Buch des Jahres?
"Välkommen ut på andra sidan" von Annamaria Jansson

Konzert des Jahres?
Parov Stelar Band, eindeutig

TV-Serie des Jahres?
Nein 

Erkenntnis des Jahres?
Weniger zu tun ist extrem viel wert.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Die riesengrosse Forschungsarbeit, das schlechte Essen in den Ferien und der Nichtfrühling

Schönstes Ereignis?
Die grosse Reise durch den Balkan

2013 mit einem Wort?
Lebenstraum

Sonntag

"Homphobie ist schwul" (Martin Sonneborn)

Warum zu Hölle ist es ein derart grosses Problem, mit wem Menschen Sex haben wollen? Was interessiert es Putin, ob Ivan mit Alexandra oder mit Omar schläft, solange es beide wollen? Was interessiert es Frau Müller, ob das gespendete Blut von einem heterosexuell liebenden Mann oder von einem homosexuell liebenden Mann kommt, solange es erfolgreich auf Krankheiten geprüft worden ist? Was interessiert es die Menschen, ob Klara von einem Mann und einer Frau oder von zwei Männern grossgezogen wird, solange die Erziehung kindergerecht und verantwortungsvoll geschieht? Was interessiert es Pfarrer Widmer und Gemeindeschreiber Steiner, ob ein Mann und eine Frau oder zwei Frauen heiraten wollen, solange sie sich lieben?
Wo liegt das Problem, dass Menschen einen so grossen Unterschied machen, mit wem Menschen Sex haben wollen?

Dienstag

Was Menschen auf sich nehmen

In meinem Freiwilligeneinsatz in Schweden habe ich viele Menschen von vielen Flecken überall auf der Erde kennengelernt. Zwei kleine Geschichten von zwei solchen Menschen möchte ich hier erzählen. Wir können uns nämlich schwer vorstellen, was Menschen auf sich nehmen.


Maria Fernanda ist aus Kolumbien, 21 Jahre alt, sie nennt sich Mafe. Ihre Heimat ist die grosse Stadt Bogota in den Bergen von Lateinamerika. Sie wird Kindergärtnerin. Jetzt ist sie in Schweden, um Englisch zu lernen. Englisch ist sehr wichtig für ihre Ausbildung, denn ohne Englisch bekommt man keinen Job bei einer Privatschule. Staatliche Schulen sind keine Option, zu schlecht.
Mafe hat zu Hause in Kolumbien einen zweijährigen Sohn. Ihre Mutter schaut zum kleinen Jeronimo, während Mafe ein Jahr weg ist. Beim Skypen schaut er etwas verwirrt in die Kamera, später hebt er sein Bein, zeigt auf die Füsse und sagt "zapatos, zapatos". Er hat neue Schuhe.

Mafe ist ein Jahr nach Europa gegangen und hat ihren Sohn zu Hause gelassen. Sie muss ihr Englisch verbessern, damit sie gute Jobaussichten hat. Nur mit einer guten Anstellung kann sie die Privatschule für Jeronimo bezahlen. Wenn der Junge in eine staatliche Schule gehen müsste, wäre sein Schicksal besiegelt. Mafe überlegt sich auszuwandern, für immer in Schweden zu bleiben. So kann ihr Sohn hier zur Schule gehen. Sie kann zwar kein Schwedisch, die Kälte verschafft ihr Kopfschmerzen und ihre Perspektiven sind auch hier nicht grossartig.

***

Biniam ist aus Eritrea, 27 Jahre alt. Seine Familie ist in Eritrea, in der Hauptstadt Asmara. Er selbst ist geflüchtet. Er erzählt mir von seinem Land und seiner Heimat. Wir filmen es für ein kleines Projekt über verschiedene Länder. Er sagt, dass Eritrea keine Demokratie sei. Sein Vater ist getötet worden, mehr will er nicht verraten. Er erzählt nicht viel über die Umstände in Eritrea, obwohl er sonst immer aufgestellt und der kommunikativste von allen in unserer Gruppe ist.
Zehn Minuten nach der Aufnahme kommt er zu mir zurück und sagt, wir müssen das Video von ihm löschen. Nein, sage ich, das ist wichtig für unser Film. Sie dürfen das nicht sehen, sagt Biniam. Meine Familie bekommt Probleme, wenn sie das sehen. Macht mein Gesicht unkenntlich, löscht den Namen meines Vater und verändert meine Stimme. Das ist viel zu gefährlich.

Wer kennt sie nicht, Amélie und ihr verträumtes Pariser Märchen? Die schwebende Musik tanzt einem um die Ohren, erzählt von der französischen Metropole und von kleinen Wundern. Für die Winterzeit und vor allem für die Vorfreude auf mein eigenes Märchen in Paris höre die Filmmusik von Yann Tiersen in der Dauerschleife:


Donnerstag

Ich liebe den Winter für all die Suppen, die man essen kann. Für das besondere Licht, das so sanft und verzaubert wirkt. Für die geheimnisvolle Stimmung, wenn es abends schon dunkel ist, aber die Stadt noch leuchtet und die Menschen eingemummelt durch die Gassen gehen. Für all die Teetassen, die man mit beiden Händen umklammern kann.

Sonntag

Für deinen Weg

die Kraft
die Welt zu formen nach deinen Ideen

den Mut
an deine eigenen Grenzen zu gehen

die Neugier
um alles Neue zu empfangen

die Zuversicht
um stets weiterzugehen

das Feingefühl
um zu spüren, was du brauchst

Menschen
die deine Welt verstehen

für A. von Irina St.

Donnerstag

She knows that if she ever breaks free
That she will never see the light of day
She's been blinded by the stars and dreams she craved
Never Seen The Light Of Day - Mando Diao

Samstag

Ich bin zurück, aber ich versinke im Alltag.
Bald gibt's eine Bilderflut - bis dahin kriegt ihr auf Instagram einen Vorgeschmack.

Sonntag

Die Hinreise ist gebucht, alles andere nicht. Die genau Route? Keine Ahnung, das sehen wir dann! Ein grosser, schwerer Rucksack, aber nur leichte Kleider und Sonnencrème. Uhr und Smartphone bleiben zu Hause, es sollen richtige Ferien sein. So viel Freude!

Off for adventures. Au revoir.

Montag

LONDON 2013

  
 
 Bahnhofmomente
 Zwischenstop in Paris
Chiswick


 Canary Wharf

 Notting Hill



Brick Lane

 Brick Lane
Brick Lane

©Irina S

Mittwoch

Plötzlich weiss ich, was mir so lange gefehlt hat. Plötzlich weiss ich, was Klara meint, wenn sie sich unbedingt eine Beziehung wünscht. Es ist dieses Höhlen-Ding. Man hat so etwas Kleines, eine kleine Höhle, ein Nest, meistens nicht mehr als zwei Kissen und zwei Decken. Draussen regnet es in Strömen und während all die Leute, die sich eben noch betrunken haben, entweder in eine Pfütze und dann in ein Taxi steigen oder mit jemandem nach Hause fahren, der gar keine Höhle mit ihnen bauen möchte, ist man einfach nur mit dem Menschen zusammen, den man am liebsten hat. Man zieht sich aus und die Vorhänge zu. Das ist es, was eine Beziehung ausmacht.
Anja Schauberger: Und wieder Winter





© Irina S
Aus der Linse meines kleinen Helferleins

Sonntag

Naturkosmetik: Das perfekte Deo ist gefunden

Diejenigen, die auf Naturkosmetik setzen, wissen es wahrscheinlich: Ein gutes Deo zu finden gestaltet sich echt schwierig! Nach meinem Spray-Deo von Lavera, habe ich den dazugehörigen Roll-On gekauft - und war schwer enttäuscht. Ich glaubte, schon nach zwei Stunden wieder nach Schweiss zu stinken, ein No Go. Von einer Bekannten bekam ich den Tipp, dass Weleda gute Deos habe. Dem bin ich gleich nachgegangen:

Weleda bietet nur Spray-Deos an, aber diese in unterschiedlichen Grössen. Ich habe zuerst den kleinen gekauft, um über die Qualität zu befinden - und war begeistert. Er dient mir jetzt als Notfall-Deo in meinem kleinen All-you-need-Set, das ich fast immer mit mir rumtrage.
Der Geruch des Sabei-Deodorants ist stark und erfrischend. Er hält lange an, ich habe mich seither nie mehr schweissig gefühlt! Absolut top!

 Weiter habe ich mir ein helles Lidschatten-Trio zugelegt, um sanfte Looks schminken zu können. Das Eyeshadow Trio No. 03 von Santé Naturkosmetik ist aber derart leicht, dass ich jeweils lange pinseln muss, bis man erkennt, dass ich Lidschatten aufgetragen habe. Deshalb brauche ich ihn leider sehr wenig.

Mittwoch

Kurze Haare For Everybody, Forever

Ein Plädoyer für die etwas speziellere Damenfrisur


Lange, wunderschön fallende Haare mit leichten Locken, dunkelbraun. Manchmal locker zu einem Dutt gewickelt, ein paar Strähnen fallen raus. Oder aber sie umtanzen offen getragen das Gesicht. Ewig lang bin ich diesem Schönheitsideal nachgerannt. Schätzungsweise zehn Jahre habe ich mit meinen Haaren gekämpft. Nie waren sie so, wie ich sie wollte, bis ich sie schlussendlich immer im Dutt getragen habe.
Ich spielte schon einige Zeit mit dem Gedanken, sie abzuschneiden und eine Kurzhaarfrisur zu tragen. Vor zwei Jahren zog ich es in einer Spontanaktion durch. Um elf Uhr entschied ich mich, drei Stunden später waren sie ab. Es wusste es fast niemand. Und es war perfekt. Endlich - endlich! - gefiel mir mein Haarschnitt. Die Frisur gefiel mir durch und durch. Ich fühlte mich unglaublich mit meinen Haaren, eine völlig neue Erfahrung für mich.
Seither bin ich dabei geblieben und fühle mich pudelwohl. Sobald sie etwas zu viel nachgewachsen sind, stören sie mich wieder. Sie müssen weg! Nur kurz will ich sie tragen!

Soviel zu meiner kleinen Haar-Geschichte. Meine Message? Frauen, tragt kurze Haare! Traut euch! Schönheitsideal hin oder her, tragt die Frisur, in der ihr euch am wohlsten fühlt! Sollen die Jungs nur sagen, dass sie lange Haare traumhaft finden (oder was auch immer). Mädchen sollen und müssen sich die Freiheit nehmen, zu tragen, was ihnen gefällt.

Die Vorteile einer Kurzhaarfrisur sind ja wohl offensichtlich: 3 Minuten Pflege täglich, keine Hitzewallungen im Sommer, kein Problem des Verfetten, viel besonderer als die meisten Langhaarfrisuren. In diesem Sinne: Kurze Haare For Everybody, Forever!

Dienstag

Die komplizierte Kombination von Feminismus und Sex

Seit ich die Diskussion um Feminismus verfolge, ist mir ein spezifisches Thema immer wieder über den Weg gelaufen. Der Text 'Feminismus, Sex und Pornographie' von Philippe Wampfler hat mich nun dazu gebracht, die Gedanken, die mir zum Thema Feminismus und Sex im Kopf herum schwirren, niederzuschreiben.

Wenn es um Feminismus und Sex geht, lauten die zentralen Fragen, ob Feministinnen (und Feministen, im folgenden Text stets mitgemeint) überhaupt Sex haben, ob die Angelegenheiten im Bett Bestandteil der Diskussion sind und ob es möglich ist, Sex mit den Forderungen des Feminismus zu vereinbaren. Es gäbe bestimmt viel Literatur dazu - sowohl feministische, wie auch kritische. Meine Meinung dazu hat sich jedoch schon längst gebildet und ich schreibe diese nun frisch von der Seele.

Das Thema Feminismus im Bett hat für mich zwei Ebenen: die Frage des feministischen Sex und die damit einhergehende Verweiblichung der Sexualität. Meine Gedanken dazu werde ich im folgenden ausformulieren. Kleine Notiz am Rande, um euren Horizont zu erweitern: Denkt beim Lesen nicht nur an heterosexuellen Sex, sondern auch an homosexuellen. Er gehört genauso dazu.

***

Ob Feminismus und Sex kombinierbar sind, ist für mich gar keine Frage. Wie Philippe Wampfler in seinem Text so schön zusammenfasst, will der Feminismus, dass Menschen tun und wollen können, was sie eigentlich wollen, ohne dass ihre Zugehörigkeit zu einem Geschlecht dieses Tun oder Wollen beeinflusst. Ich werde keine Feministin mehr sein müssen, wenn Männern sowie Frauen zugehört wird, wenn alle dieselben Chancen haben und die Gesellschaft diese auch akzeptiert. Der Feminismus will die (absolute, gesellschaftliche) Gleichstellung von Mann und Frau. Wie das im Bett aussehen soll? Ganz einfach: Solange es beide/alle wollen und geniessen, ist's okay. Wenn es eine Frau geniesst, sich zu unterwerfen, was soll der Feminismus daran kritisieren? Wenn Frauen ihre Sexualität genau so leben können, wann sie es wollen, wie sie es wollen und wie sie es geniessen können, ist ein Ziel des Feminismus erreicht.

***

Meine Idee der Verweiblichung der Sexualität ist etwas komplexer, wenn auch nicht wirklich schwierig. Mein Alter, die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, hat diese Idee sicherlich massgebend beeinflusst.
Überall, seit ich mich erinnern kann, wird Sexualität als etwas männliches dargestellt. Mal ganz abgesehen von sexistischer Werbung, Pornos & Co haben wir schon im Aufklärungsunterricht gehört, dass Jungs in der Pubertät einfach so einen steifen Penis bekommen können. Das weibliche Pendant dazu? Gibt es nicht. Weiter gehts: Es gäbe feuchte Träume und die Jungs würde danach mit Sperma in der Pyjamahose aufwachen. Das weibliche Pendant? Wurde nicht angesprochen. Oder kennt ihr den Spruch, dass Männer alle sieben Sekunden an Sex denken? Die männliche Sexualität wird als ein starkes Verlangen, mehr oder weniger omnipräsent dargestellt. Die weibliche Sexualität ist jedoch nie ein Thema.
Ich folge daraus, dass Mädchen nicht oder nur bedingt lernen, ihre eigene Sexualität zu erkunden, zu erleben, zu fordern und zu geniessen. Wir Frauen müssen lernen und begreifen, dass unsere Sexualität genauso ein wunderschönes Verlangen ist. Wir müssen unsere Bedürfnisse kennen lernen und uns holen, was wir brauchen und wollen. Das will ich nicht als Aufforderung zu Vergewaltigung verstanden haben, sondern als Motivation, dass Sex den Wünschen von Frauen entsprechen muss, wie er heute den Wünschen von Männern zu entsprechen scheint. Sex ist nicht (nur) dazu da, die Wünsche des oder der anderen zu erfüllen.

Mein Idol einer sexuell emanzipierten Frau? Die junge Frau hinter dem Pseudonym @swissbitch666. Sie lebt ihre Sexualität, holt sich, was sie braucht und geniesst es in vollen Zügen. Wir sehen, was einer solchen Frau droht: Die Beleidigung als Bitch, Hure, Prostituierte. Das muss sich ändern.

Mittwoch

Auf was ich mich in der Schweiz freue: mein Zimmer, Stunden mit dem Liebsten, der warme Ofen, die vielen Züge und wie nahe alles ist, mein Kleiderschrank, Schlitteln, mein Fahrrad, meine Freundinnen, bisschen milderes Klima, Essen von Mama&Papa, das Joghurt am Abend um zehn Uhr, mein GA, meinem Besten zu gefallen und seinem Blick anzusehen, dass alles stimmt, Uni im September, Ausgang in der schönsten Stadt der Schweiz, selbstständig sein zu können, Schweizerdeutsch zu sprechen.
Was ich hier in Schweden mag: meine Mitbewohnerinnen, die Leute im Internat und in der Schule, der Schnee, das Polarlicht, der Marsch am Morgen früh, Fitness am Abend, die Kultur der Samen, Schwedisch, Dr. House am Dienstagabend, das graue Sofa, Daim-Schokolade, Stockholm, die Schwedisch-Klasse, nach dem Frühstück wieder ins Bett zu schlüpfen, Mango aus dem Fairtradeshop, Chokladbollar, die CREST-Thermounterhose, die Fotos meiner Freundinnen, the volunteers, mehr zu erfahren über Schweden, dass mich alle mögen und fröhlich finden.
geschrieben im Februar 2012